Manuel Rechsteiner

Über mich

Can you do a magic trick?

„Can you do a magic trick?“, höre ich im Vorbeigehen. Die Stimme kommt mir bekannt vor, stimmt, für dieses Mädchen und ihre Freunde habe ich im letzten Monat eine kleine Zaubervorstellung gegeben. Wir erinnern uns beide, lächeln uns zu, und beginnen ein Gespräch. Sie ist nicht die Einzige, die sich an mich erinnert, die Leute hier haben ein besseres Gedächtnis, wenn es um so etwas wie Zauberei geht. Hier, das heißt genauer: In Nairobi, Kenia. Für ein halbes Jahr darf ich in dem Land leben, zur Schule gehen und vor allem eins: Menschen kennenlernen.

Aus Deutschland weiß ich schon, dass Zauberkunststücke dabei ein guter Eisbrecher sind. Doch das wäre in diesem Land eigentlich noch untertrieben. Zwar dauert es ein bisschen, bis ich mich wirklich traue, in der Öffentlichkeit etwas von der Kunst zu zeigen, die Eindrücke sind in den ersten Wochen einfach zu viel für mich. Doch spätestens als ein Mitschüler aus meiner Klasse mir erzählt, dass auch er schon seit ein paar Jahren zaubert, weiß ich, dass die Liebe zum Magischen nicht nur auf einen Ort beschränkt ist. Und so beginnt das Vorführen, erst in kleinem Kreis vor befreundeten Familien, immer wieder mal spontan im Einkaufszentrum oder mitten in der Innenstadt der kenianischen Metropole bis hin zu Auftritten vor wichtigen Diplomaten oder lange geprobten Shows vor der gesamten Schule. Zum Highlight gehörten für mich auch die Performances vor kenianischen Jugendlichen in einem Kinderheim. Die Reaktionen, die ich hier erlebe, sind von einer ganz anderen Dimension. Ungläubiges Aufschreien, entfesselte Emotionen und enthusiastischer Applaus. Diese Momente tun nicht nur mir, sondern auch den Menschen gut. Nirgendwo sonst erlebe ich Zauberkunst so intensiv als das, was sie wirklich ist: Eine Möglichkeit, eine wunderschöne Zeit zu schaffen. Gemeinsam mit den Menschen gelingt uns eben jenes so leicht wie nie zuvor.

Und so wachse ich in dieser Zeit über mich heraus, zaubere so viel es nur geht, und erlebe mit den Menschen nicht selten ganz persönliche, magische Momente.

So mancher mag sich fragen, was das denn nun konkret heißt, nicht jeder wird jetzt sofort zum afrikanischen Kontinent aufbrechen wollen um mal eine neue Art des Zauberns kennenzulernen. Doch ich glaube, dass wir uns in Sachen „Lebensgefühl“ so einiges von der oben beschriebenen Mentalität abgucken können. Viel zu oft erfahre ich die Zauberkunst hierzulande als Wettbewerb, als eine Messung der Leistung, als ein ständiges Bewerten von bloßen „Techniken“. In diesen Momenten sehne ich mich zu meiner zweiten Heimat zurück und versuche, meine Erinnerungen wieder wachzurufen. Und gleichzeitig denke ich dahin zurück, als ich mit der Zauberei angefangen habe. Der Wunsch, Menschen mit der Kunst zu berühren und ihnen eine schöne Zeit zu schenken, ist heute noch genauso groß wie damals. Und geht es uns nicht allen ähnlich? Manchmal wünsche ich mir, wir würden uns wieder mehr um diesen Wunsch kümmern und ihn noch öfters Realität werden lassen. In Kenia habe ich es versucht und – irgendwie auch geschafft. Denn die Zauberkunst gab mir die Gelegenheit, mit den Menschen auf einer ganz anderen, viel persönlicheren und tiefgründigeren Ebene Kontakt aufzubauen. Das macht dankbar.

So denke ich also auch heute noch sehr häufig an diese wunderschöne Zeit zurück und die Erinnerung daran kann mir nun wirklich niemand mehr nehmen. Und in meinem Kopf höre ich manchmal noch immer: „Can you do a magic trick?“

Magie Magazin

Um eine optimale Funktionalität zu gewährleisten, werden auf dieser Website Cookies eingesetzt. Wenn Sie die Nutzung der Website fort­setzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Checkbox kommt...